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Rezension
The Approaching Storm
‘Der drohende Sturm’, so die originalgetreueste Übersetzung, war von der Fangemeinde eher nicht so überschwenglich aufgenommen worden, und der Stoff hörte sich auch nicht interessant genug an, als dass es zu rechtfertigen wäre, sich das Hardcover zu kaufen. Jetzt, knapp ein Jahr später, kann ich nicht sagen, dass ich meine Entscheidung bedaure... nur, dass tAS seine 30 € in der gebundenen Fassung durchaus wert gewesen wäre. Kein fast perfekter Polit-Action-Thriller wie das ältere ‘Cloak of Deception’ (mit dem es oft unfairerweise verglichen wurde), aber sicher sehr solide SW-Unterhaltung und besser als so manches andere (an neueren Werken z.B. ‘Rogue Planet’).
Kurz nur, worum es geht: Der Planet Ansion, für sich selbst eher unbedeutend, hat so viele Verbindungen (Allianzen etc.) mit anderen Welten, dass es eine Kettenreaktion auslösen würde, würde er sich von der Republik loslösen; etwas, das die Separatisten mit aller Macht zu erreichen versuchen. Doch die Jedi sind nicht so doof, wie Shu Mai (die im Roman recht wenig auftritt, was aber ob seiner Natur zu verkraften ist) ihren Partnern erzählt hat, und bekommen Wind von der Sache. Um zu verhindern, dass die ‘Unity of Community’ (Vereinigung der Gemeinschaft; ja, ich halte diesen Namen auch für dämlich ) sezediert, schicken sie Luminara Unduli sowie Obi-Wan Kenobi (samt Padawanen Barriss Offee und Anakin Skywalker) auf den Planeten, um mit den Führern der Unity zu verhandeln. Nachdem bereits der erste Anschlag auf das Leben der Abgesandten vereitelt werden konnte, dauern besagte Unterredungen nicht lange, und die Vertreter der Unity versprechen den Jedi, in der Republik zu bleiben, sollte es den Jedi gelingen, die Alwari zu einem Friedens- und Handelspakt zu überreden (Ansion ist ein Steppenplanet, der Großteil der Landmasse besteht aus Savannen, die von Nomaden, ebenjenen Alwari nämlich, durchstreift werden; zwischen Alwari und Städtern - deren es nur sehr wenige gibt - herrscht seit jeher wenn schon nicht Krieg, so zumindest Unfrieden und Unwillen, mehr über die jeweils andere Partei zu erfahren).
Den größten Teil des Romans verbringt der Leser also damit, mit den vier Jedi und ihren beiden Führern (ehemals geisteskranken Möchtegern-Attentätern, die von Barriss geheilt wurden, eine Aktion, die ich übrigens höchst seltsam fand; mir wäre es lieber gewesen, Foster hätte die beiden einfach als Ausgestoßene eingeführt, die den Job annehmen des Geldes wegen, und dann mehr und mehr von ihrer Vergangenheit enthüllt, wie auch immer die ausgesehen haben mag) über goldgelbes Gras zu pilgern (nichts gegen die Länge der Reise, aber es ist schon erstaunlich, dass die Suubatars - ihre Reittiere - zuerst als so superschnell beschrieben werden und die Jedi trotzdem nicht voranzukommen scheinen); dabei begegnen die Reisenden hie und da einigen freundlich gesinnten Wesen (den Nomaden vom Yiwa-Clan z.B.), werden jedoch auch ziemlich oft von fiesem, ganz und gar unfreundlichem, tierischem Gesocks angegriffen und kommen jedesmal gerade so mit dem Leben davon. Versteht mich nicht falsch, vielleicht der beste Aspekt des Buches ist, wie der Autor Flora und Fauna von Ansion erfindet und beschreibt, und natürlich hat so eine ‘Wüste’ (die es nicht ist, eine Grassteppe, wie gesagt, aber manchmal kam durchaus Wüstenfeeling auf, was wohl am Leser liegt, denn ich zumindest denke bei dem Wort ‘Nomaden’ sofort an Szenen aus Filmen wie ‘Ben-Hur’ und ‘Lawrence von Arabien’) mit allerlei Gefahren aufzuwarten, aber der Overkill ist auch nicht gut; es ist ok, wenn die Helden in Kinderbuchreihen wie ‘Galaxy of Fear’ von einer Gefahr in die andere stolpern (ich meine, gerade das ist es ja, was diese bestimmte Serie ausmacht), aber in einem ‘ernsthaften’ Roman lenken solche kleinen Abenteuer eher vom Plot ab und steuern nichts bei (man hätte es vielleicht bei Chavix und den Shanh am Ende belassen sollen, die Kyren, Gairks und der Rest waren imho zuviel des ‘Guten’ - wenn der Autor sie unbedingt einbringen musste, hätte eine bloße Erwähnung gereicht).
Eine Sequenz, die damit verknüpft ist, ist folgende: Die Gefährten machen gerade Pause, als Barriss bemerkt, wie jemand aus der Satteltasche ihres Suubatars einen Nahrungswürfel (oder was auch immer das war) klaut; sie ist nicht schnell genug, um den kleinen Dieb zu fassen, sieht jedoch gerade noch, wie er in einer Felsspalte verschwindet. Barriss steigt hinein, im Glauben, ein dummes Nagetier zu verfolgen, muss jedoch bald feststellen, dass sie sich geirrt hat, als sie sich von kleinen, bepelzten Miniaturausgaben der nativen Alwari umzingelt sieht. Diese Gwurran, wie sie sich nennen sind gar keine doofen Tierchen, sondern verhältnismäßig intelligente, vernunftbegabte Lebewesen, genetische Verwandte der dominanten einheimischen Spezies von Ansion. Auf diese Episode hätte ich zwar verzichten können (irgendwie war sie ein wenig seltsam geschrieben), aber auf diese Weise wird ein neuer Nebencharakter eingeführt, der mir wiederum sehr gut gefallen hat (auch in charakterlicher Ausarbeitung): Tooqui, eine Mischung aus Wicket und Jar-Jar, der für ein wenig ‘comic relief’ sorgt (bis auf eine Szene, die Foster sehr gut hingekriegt hat, in der der kleine Geselle die anderen Reisenden aus der Gefangenschaft und im Ende wohl ihr Leben rettet), was auch notwendig ist, denn locker-flockig zur Sache geht es in tAS nicht; der Titel ist Programm, und obwohl Politik nur eine untergeordnete Rolle spielt und der Autor nur ab und zu nach Coruscant oder in die ansionische Hauptstadt blendet, so kann man doch in der feinen Atmosphäre bereits das Grollen des näher kommenden Gewitters hören - nicht nur, was unmittelbare Politik betrifft, sondern vor allem eine Person, auf deren Schultern das Schicksal der Galaxis lastet... Anakin Skywalker. Foster stilisiert die Charaktere recht gut; Anakin agiert fast durchgängig ein wenig zu kindisch (wenn man bedenkt, dass er nur ein paar Wochen später an einer Säule in der Arena von Geonosis stehen wird), während Obi-Wan ruhiger und gefasster erscheint, als er mir aus sowohl TPM wie auch AOTC in Erinnerung ist, aber ansonsten ist die Charakterisierung (auch der anderen Figuren) bis auf ein paar kleinere Ausrutscher gut gelungen.
Mehrmals in meiner Rezension habe ich das Wort ‘seltsam’ verwendet... nun, anders sind gewisse Szenen nicht zu beschreiben. Sie sind nicht unbedingt schlecht, hinterlassen - zumindest bei mir - aber das Gefühl, dass man nicht so recht weiß, was man davon halten soll. Beispiele dafür habe ich mir einige herausgeschrieben: Barriss’ Schnell-Heilung der beiden Irren sowie die anfängliche Konfrontation mit den Gwurran hatte ich ja bereits erwähnt, ebenfalls in diese Kategorie gehören: - Luminara Undulis diplomatische Methoden: So kippt sie im Gespräch mit den Repräsentanten der Unity ein paar Karaffen Wasser über ein Mitglied des Rats; dieser sowie die anderen Ansionianer reagieren lässig, aber für mich wirkte diese Szene einfach unrealistisch und gekünstelt. - Anakin nimmt Schwimmunterricht: Während die Gruppe einen Fluss überquert, fällt Barriss aus dem Sattel und wird von Gairks - Fischen mit riesigem Maul, die enorme Mengen an Wasser durch sich durch ziehen und so ihr Opfer im wahrsten Sinne des Wortes bei lebendigem Leibe verdauen können - angegriffen; Anakin springt ihr sofort nach, bringt sich und sie am Ende jedoch mehr in Gefahr als wenn er nicht so galant gewesen wäre, sie hätte sich auch alleine behelfen können. Eine wichtige moralische Lektion für Anakin, sicherlich, und ich weiß auch nicht, was genau mir nicht gepasst hat, aber irgendwas wird’s wohl gewesen sein, sonst hätte ich sie nicht aufgeschrieben . - Die letzte Prüfung der Borokii: Endlich, nach wochenlanger Reise, haben die Jedi die Borokii, den Überclan, gefunden. Zu dumm, dass der Ältestenrat erst dann mit ihnen sprechen will, wenn sie eine Prüfung abgelegt haben. Nichts gegen solche Aufgaben, der Autor durfte es den Jedi natürlich nicht so leicht machen, aber etwas anderes wäre vielleicht passender/geschickter/glaubwürdiger gewesen: So jedenfalls muss Luminara mitten in der Nacht in eine riesige Herde friedfertiger, aber kräftiger Grasfresser stolpern, um das Fell eines bestimmten Viechs, das dummerweise gerade in der Mitte zu schlafen pflegt, mit sich gehen zu lassen. Unnötig zu sagen, dass das schief geht und die übrigen drei Jedi sie am Ende wieder raus holen müssen (da fragt man sich doch glatt, wenn die das vorher konnten, warum dann erst Luminara der Gefahr aussetzen, den Job alleine zu erledigen ?).
Allerdings, und das muss ja auch erwähnt werden, gibt es auch ein paar wunderbare Szenen, die einem auf ewig im Gedächtnis bleiben werden. So werden sie z.B. von den Yiwa, den ersten Nomaden, denen sie auf ihren Reisen begegnen, gebeten, für die Unterhaltung am Essenstisch zu sorgen, was jeder von ihnen auf einzigartige Weise tut (Anakins ist ungewöhnlich und war nicht zu erwarten, aber interessant: er singt; Luminara lässt Sandkörner tanzen, Barriss ihr Lichtschwert, und Obi-Wan erzählt eine Geschichte). Die Szenen außerhalb der Reise waren auch ausnahmslos gut geschildert.
Nach der beeindruckenden Demonstration dessen, was man mit der Macht so alles anstellen kann, sind die Borokii auch bereit, den Vertrag mit den Städtern im Namen aller Alwari zu unterzeichnen... unter einer Bedingung (war ja klar ): die Jedi sollen helfen, die Erzfeinde, die Januul, auszulöschen. Super, denkt sich Luminara, und bereitet sich darauf vor, wieder abzuziehen, als Obi-Wan plötzlich zustimmt... Schock! Für den Leser (in meinem Fall wenigstens) ist allerdings offensichtlich, was der Jedi hier abziehen will, und so kommt es als keine sonderlich große Überraschung, als er, als die beiden Armeen sich gegenüber stehen, in die Mitte tritt und die Parteien nicht nur davon abhält, aufeinander loszugehen, sondern auch, einen weiteren Friedenspakt zu unterzeichnen. Auch diese Szene fand ich seltsam, unnötig und vorhersehbar wie sonst nichts in tAS, könnte also gut ohne leben.
Nachdem dieses Hindernis aus dem Weg geräumt ist, eilen die Jedi zur Hauptstadt von Ansion zurück, kommen gerade an dem Tag an, als der dortige Rat zur Abstimmung schreiten will, entkommen diversen Attentatsversuchen und treffen natürlich rechtzeitig ein, um den Ansionianern das Abkommen mit den Alwari unter die Nase zu reiben und sicherzustellen, dass Ansion auch weiterhin in der Republik verbleiben wird. Ende.
Was ist allgemein noch zu sagen? Fosters Schreibstil liest sich zum größten Teil überraschend gut (bis auf obig genannte Sequenzen eben), die Geschichte mag kein ‘Cloak of Deception’ sein, will das aber auch gar nicht, sondern einfach nur ein Abenteuer im Stil der Filme, was auch gelingt, das Cover ist nett, man erfährt mehr über das Paar Unduli und Offee, und es steht kein Preis auf dem Buchrücken (wie auch schon bei ‘Traitor’ und ‘Star By Star’(PB) ich vermute also Absicht dahinter). Empfehlenswert? Ja, durchaus. Vielleicht eine gute Wahl für Leute, die sich üblicherweise auf deutsche Ausgaben beschränken, ihr Englisch aufzupolieren, denn eine Übersetzung wird es in der nächsten Zukunft ja nicht geben.
(Januar 2003)
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