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Rezension
Tales from the Empire
1. Zahn: First Contact
‘Star Trek VIII -- Der erste Kontakt’ (“wäh, er hat ‘Star Trek’ gesagt!”) war ziemlich temporeich... kann man von Zahns kurzer Geschichte mit dem gleichen Titel nicht wirklich behaupten. Die Story tröpfelt so vor sich hin... Spannung kann nicht wirklich aufkommen (natürlich nicht, man weiß ja, dass Karrde überleben und Mara sich ihm anschließen wird). Worum’s geht? Karrde saust - inkognito natürlich - auf einen Hinterwäldler-Planeten, weil er gehört hat, dass ein ihm bekannter Schmuggler hier krumme Sachen macht. Um einen Grund zu haben, für eine Weile dort zu bleiben, fingiert er einen Fehler an seinem Antrieb und meldet sich bei einer Art Safari an, die gerade statt findet (und von Karrdes ‘Freund’ Gamgalon gemanaged wird) (die anderen Teilnehmer der Safari werden übrigens als ‘Saffa’ und als ‘Thenquora’ beschrieben... nur beschrieben werden sie eigentlich nicht, ein uneingeweihter Leser (so wie ich einer bin, konnte mir nämlich keinen Reim auf diese Rassen machen) weiß also nicht, wie die aussehen; vielleicht unwichtig, aber ein kleines Detail, das nett gewesen wäre, dabei zu haben). Er findet allerdings heraus, dass die ‘Tiere’, die da gejagt werden, in Wirklichkeit vernunftbegabte (in Maßen wenigstens) Ureinwohner sind, und dass Gamgalon sie so im Dschungel rumscheucht, weil eine bestimmte Pflanze (eingeflogen) in Verbindung mit dem Schleim, den diese ‘Morodin’ absondern, wenn sie sich bewegen, einen Ersatz für Tibanna-Gas produzieren, den dieser dann schmuggeln kann. Glaubwürdig . Jedenfalls hat Karrde diese Entdeckung kaum gemacht, da sieht er sich auch schon von Gamgalons Schergen umzingelt (da hat er sich wohl übernommen; ohnehin ausgesprochen unvorsichtig, sich mit nur einem einzigen Mann als ‘Begleitschutz’ in potentielles Feindgebiet zu begeben, naja). Gerettet wird er übrigens von der Technikerin, die sich um seinen Antrieb kümern sollte, und die sich - wie nicht anders zu erwarten - als Mara Jade entpuppt (die Gamgalon ohnehin schon die ganze Zeit beobachtet hat ). Als Dank will sie erstmal weg vom Planeten und dann in Karrdes Organisation aufgenommen werden... als ob sich da nicht andere Gelegenheiten ergeben hätten . Nun gut. Ich mag Zahns Schreibstil nicht, wie ich sicher schon mal erwähnt habe... Das, verbunden mit der Unglaubwürdigkeit der Geschichte (und das ist sie, das müsst selbst ihr zugeben, ihr Zahn-Fanatiker), macht ‘First Contact’ doch tatsächlich zur schlechtesten Geschichte des Buchs.
2. Tyers: Tinian on Trial
Nach Zahn konnte es ja nur besser werden ... ‘Tinian on Trial’ ist, meiner Meinung nach, sogar das beste an der Anthologie. Tyers mag ich sonst nicht so, aber ihre Kurzgeschichten gefallen mir immer ein ganzes Stück besser als ihre Romane. So auch hier. Der Charakter der Tinian, den man ja aus ‘Kopfgeld auf Han Solo’ kennt, wird hier ausgebaut, indem die Autorin ihre Vorgeschichte erzählt; die so interessant - und tragisch - ist, dass ich hier nicht spoilern möchte. Einfach ohne Vorwissen genießen... Hier übrigens wieder ein Beleg dafür, dass viele Bürger des Imperiums von einer sogenannten ‘Schreckensherrschaft’ des Kaisers gar nichts mit bekommen haben (bzw. sich nicht genug interessierten, mal nach zu forschen).
3. Jackson: The Final Exit
Diese Geschichte hatte ich nun wirklich in schlechter Erinnerung. Sauer auf stieß mir auch immer, wenn ich daran dachte, die eigentliche Hauptperson, ein Dunklen Jedi (und zwar einer von der Sorte, die Palpatine halfen, die Galaxis von den Jedi zu säubern)... jeder weiß, wie scharf ich auf diese Typen bin . Die Dialoge klangen teilweise etwas hölzern, aber ansonsten gefiel mir die Geschichte (Dunkler Jedi bereut seine Wege, kehrt auf seinen Heimatplaneten zurück, um Frau und Kind noch einmal zu sehen, und sprengt sich dann, als die Imps ihn erwischen und zu Palpi zurück bringen wollen, zusammen mit der Kommando-Crew in die Luft, weil er keinen anderen Ausweg sieht) doch recht gut diesmal... auch Brands Theater-Hintergrund. Nur würde mich eins interessieren: Hat die Autorin dieses ‘alt-corellianisch’ selbst erfunden (was ich kaum glauben mag)? Und wenn nicht, gibt’s dafür ein Wörterbuch?
4. Stackpole: Missed Chance
Corran Horn sitzt, kurz nach seiner Flucht von Corellia, auf einem abgelegenen Planeten fest, und der Schmuggler, der ihm die benötigten Ersatzteile besorgen wollte, sitzt in imperialer Haft, und seine Fracht ist beschlagnahmt. Keine Frage, dass Corran am Ende doch abheben kann, und so nebenbei befreit er nicht nur die Leute des Planeten von einem inkompetenten Gouverneur, sondern verarscht auch noch Kirtan Loor, meldet sich zum Renegaten-Staffel-Training an und versorgt die Allianz mit neuen, idealistischen Rekruten. Wobei er das natürlich nicht alles allein macht, Pfeifer hilft ihm dabei . “Ist doch genauso unrealistisch wie ‘First Contact’”, werdet ihr sagen. Stimmt. Aber Zahn bringt diesen Unwahrscheinlichkeits-Faktor in seine Geschichte, weil die sonst nicht funktionieren kann. Stackpole tut es, weil er weiß, dass es dem Leser Spaß macht; und im Gegensatz zu Zahn hätte er auch drauf verzichten können. Ansonsten... die Geschichte ist ziemlich vorhersehbar, aber unterhält ganz prächtig; tut nicht viel für den Charakter Corran Horn, erzählt aber ein bisschen mehr Geschichte über ihn (in den X-Wing-Büchern erfährt man ja verhältnismäßig wenig über seine Vergangenheit). Nur die Geschichte, die der Präfekt so von sich gegeben hat... das ist gefährlich. Hoffentlich passt Zahn auf, dass sein neuer Roman sich nicht damit beißt.
5. Burns: Retreat from Coruscant
In diesem ‘Tale’ spannt Bel Iblis im Zuge der Evakuierung von Coruscant (Angriff des wiedergeborenen Imperators (ja, es ist Absicht, dass ich nicht ‘Kaiser’ gesagt habe)) einen zivilen ‘Core Courier Service’-Frachter (also gewissermaßen die Post-Kutsche der GFFA ) ein, um eine wichtige Datenkarte vom Planeten und zur Flotte zu bringen. Genießbar. Nicht genial, aber auch nicht grottenschlecht.
6. Newcomb: A Certain Point of View
Beweis Nr. 2 in diesem Buch für den letzten ‘Tinian on Trial’-Punkt... auch hier hat die Protagonistin keine schlechten, im Gegenteil, eher gute, Erfahrungen mit dem kaiserlichen Reich. Auch hier habe ich nichts spezifisches zu sagen.
7. Russo: Blaze of Glory
Ja, das war wieder eine der guten Geschichten. Ein Söldner-Team soll zwei Kinder aus den Händen eines Sklavenhändlers befreien. Völlig ohne Film-Bezug. Was sie nicht schlecht macht. Fans des A-Teams werden hier ihre Freude haben (nun, am Schluss vielleicht nicht ganz so sehr), und für andere zeigt es eindrucksvoll, dass es auch noch andere Parteien in der GFFA gibt außer NR und Imperium. Den Begriff ‘blaze of glory’ sollten sich außerdem die jüngeren Leser merken, im Englisch-LK kann man das ganz gut brauchen .
8. Phillips: Slaying Dragons
Mit 16 Seiten die kürzeste Geschichte. Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll... ich halte 9 Jahre für etwas jung, um solche Expertise im Computer-Bereich zu haben. Dann andererseits passt das Alter wieder perfekt dafür, dass Shannon das ganze nur als ein großes Abenteuer sieht und erst viel zu spät die Konsequenzen ihres Tuns begreift. Nun ja, mal was anderes.
9. Endom: Do No Harm
In einem moralischen Dilemma befindet sich die Hauptperson dieser Geschichte: Sie ist Ärztin, frisch zur Allianz gekommen, um Leben zu retten. Doch dann wird sie auf eine Kommando-Mission geschickt, und sie muss sich darüber klar werden, ob es rechtens ist, jemanden zu töten, damit andere leben können.
10. Zahn/Stackpole: Side Trip
Side Trip... eine längere Geschichte (ca. 80 Seiten). Zwei Händler, die gerade dabei sind, zwei Rebellen und ihre Ladung voller Waffen zu schmuggeln, werden von einem Sternzerstörer aufgebracht. Doch anstatt verhört zu werden, ‘schlägt’ der Captain ‘vor’, dass die vier einen kleinen Umweg machen (btw, kennen wir das nicht von irgendwoher?); sie sollen auf Corellia ein paar Päckchen abliefern -- unterstützt von dem vermeintlichen Kopfgeldjäger Jodo Kast. Sie haben nicht gerade eine andere Wahl, als zuzustimmen. Doch hinter der mandalorianischen Rüstung verbirgt sich niemand anders als... Admiral Thrawn! Negativ-Punkt Nummer 1. Ich kann ja damit leben, dass Thrawn ein beinahe-Genie ist, was militärische Strategie und Taktik angeht, und seinen Kunst-Verstand lasse ich auch gerade noch gelten... was ich aber nicht glaube, ist, dass er auch noch in ausreichend körperlicher Verfassung ist, um als Kopfjäger durch zu gehen, und ein Meisterschütze ist er wohl auch nicht (und doch scheint er beides zu sein, oder zumindest behaupten Zahn und Stackpole das in ihrem kurzen Roman). Und da soll noch mal jemand behaupten, Thrawn sei von Zahn nicht als Super-‘Held’ konzipiert worden ... Und bevor hier jemand mit Corran ankommt: gerade in diesem Text wird deutlich, dass er durchaus seine Fehler hat und nicht Mister ich-kann-alles ist, für den manche ihn halten. Die einzige Stelle im Text, in der Thrawn sich als Kast ausgibt und auch überzeugend als Kast rüber kommt (für mich zumindest), ist während des Gesprächs, als Corran und er mit dem Speeder zu der Festung rauschen und sich über corellianische Kunst auslassen. Weder die beiden Rebellen noch die beiden Schmuggler entwickeln so etwas wie eine Persönlichkeit; sie sind austauschbar. Ich glaube nicht, dass das nicht anders machbar war (trotz des Fokus’ auf die beiden Horns, die später dann dazustoßen), vor allem nicht anhand der Tatsache, dass das in den anderen Geschichten im Buch ja auch funktioniert; da waren die zwei Autoren wohl einfach zu faul (ich kann hier schlecht nur einen der beiden schimpfen (obwohl ich es gern täte ), weil der Plot eindeutig zusammen entwickelt worden ist und nicht jeder zwei Parts für sich alleine geschrieben hat)). A propos Horn: Corrans Charakter wird hier schon vertieft. Man sieht hier die Beziehung, die er zu seinem Vater hat... Ansonsten hört sich meine Renzesion hier schlechter an, als ich die Geschichte tatsächlich fand. Es gibt ein paar nette Anspielungen (so wird z.B. geklärt, wie Veers auf die Executor, Zekka Thyne nach Kessel, die Noghri zu Thrawn und die Imps nach Derra IV kam(en)).
Insgesamt? Es scheint, als hätte mich meine Erinnerung betrogen... ‘Tales... Empire’ ist tatsächlich nicht so schlecht, wie mein Gedächtnis das sagte. Vielleicht hatte ich auch nur einen schlechten Tag damals. Naja. Alle Geschichten sind lesbar, wenn man auch die anderen drei Anthologien nicht direkt vorher lesen sollte... das dauernde Umherspringen in der Zeit in diesem Buch könnte dann verwirren. Ich würde Tales04 wohl auf die gleiche Stufe stellen wie Tales02 (Jabba), wenn nicht sogar einen Tick höher.
(August 2002)
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