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Rezension

Dark Nest I: The Joiner King

Mir hat das Buch gefallen. Es ist anders als die NJO, baut aber auf ihr auf und profitiert von ihr. Von der Handlung her erinnert 'The Joiner King' eher an die alten Bantam-Romane (also die, die zwischen 1991 und 1999 erschienen sind), nimmt aber dieses unbestimmte Gefühl, dass die Helden vielleicht doch sterben könnten, aus der NJO mit. Und natürlich ist die Ausgangssituation eine andere: am Ende jeder Bantam- (oder auch Marvel-, da war's genauso) Geschichte wurde im Grunde der Reset-Knopf betätigt und die Galaxis aufgeräumt. Das ist hier nicht so. Die Welt fünf Jahre nach dem Ende des Krieges gegen die Yuuzhan Vong ist völlig anders als vor diesem Ereignis. Das sorgt für neue Spannungen (und Spannung).
Der Roman erzählt freilich nur ein Drittel der ganzen Handlung. So richtig kann ich ihn deswegen noch nicht werten. Ich muss mich erst davon überzeugen, dass Troy Denning die Handlung in den nächsten Bänden konsequent - und dunkel, ohne Weichspüler und einfache Auswege - weiterentwickelt und nicht auf halbem Wege den Schwanz einzieht.

Dann vielleicht im folgenden nur ein paar spezielle Anmerkungen:
- Cover: Das mag ich wirklich. Dieser herausgehobene Insektenkopf und der metallisch schimmernde grüne Grund... hat was. Auch auf dem Papier schaut Han aus wie Ford vor ein paar Jahren.
- die Killiks: Nuja, Käfer halt. Das Konzept eines Kollektivbewusstseins (bei Menschen) hat mich immer fasziniert, hier wird das mal ausgespielt. Ich finde die Killiks weder blöd noch besonders toll. Besser als der beliebige Feind-von-außerhalb (Ssi-Ruuk, Yevethaner) aber auf jeden Fall, allein schon wegen ihres Alters. A propos Alter: Denning erwähnt das so nebenbei, aber es könnte vielleicht noch wichtig werden, dass ein einzelner Killik offenbar nicht gerade sehr lang lebt. Verminderte Lebenserwartung der "Angeschlossenen" oder so.
- Han und Leia: Sehr schön. Bei diesen beiden hat Denning sich richtig Mühe gegeben. Er bleibt den Charakteren, die wir aus den Filmen kennen, treu, tritt aber nicht in die Falle, sie nicht ein wenig zu verändern. Man kann ihnen abnehmen, dass sie 30 Jahre älter geworden sind. Auch der Krieg hat seine Spuren hinterlassen. Trotzdem ist Han noch Han und Leia noch Leia. Nur eben älter und, nun gut, im Falle von Han nicht wirklich weiser ;). Ihr Zusammenspiel ist glaubhaft und, in den Momenten, wo es so sein soll, amüsant.
- die Droiden: 3PO stielt fast jede Szene, in der er auftaucht. R2 nicht so sehr, er ist hier schon etwas "altersschwach". Eine vollständige Auflösung der Padmé-Sache wird aufgeschoben, wenn ich mich auch frage, warum. Was wäre einfacher, als die Archive irgendeiner Boulevard-Zeitschrift aus den Zeiten der Alten Republik nach dem Namen "Padmé" zu durchwühlen?
- Yuuzhan Vong: Unwichtig in diesem Konflikt. Haben nur eine kleine Szene. Vielleicht kommt da noch was. Ich hoffe es. Immerhin, die Erwähnung des ar'krai stimmt positiv. Die Vong sollten nicht einfach so fallen gelassen werden. Spätestens in der 9-Buch-Reihe sollten sie wieder eine große Rolle spielen. Ganz besonders natürlich der Vong, der heimliche Held der NJO, der noble Führer der Entrechteten, der großartige Nom Anor. (Und nein, er ist nicht tot. Jemand wie Anor ist erst tot, wenn ich seine Leiche gesehen habe. Mit Durchschlag.)
- Tahiri: Die fällt mir in diesem Zusammenhang ein. Sie macht nicht viel in diesem Buch. Sie macht vor allem nicht viel anders als die anderen Myrkr-Überlebenden. Da hatte ich mir doch mehr erwünscht. Schließlich ist sie anders. Potential nicht genutzt, Herr Denning.
- Luke: ist ein Idiot. Hat offiziell die yodasche Doktrin abgelegt, um sie durch eine andere Doktrin zu ersetzen: "Hell und Dunkel sind in uns, nicht in der Macht. Jedi müssen effektiv sein. Jedi dürfen sich ihrer Moral nicht ergeben, wenn dadurch die Effektivität beeinträchtigt wird. Der Zweck heiligt die Mittel." Hui? Klar hat der große Jedi-Meister Zweifel. Er handelt aber trotzdem so und hält sich stoisch an seine paar auswendig gelernten Sätze. Idiot. *seufz* Vielleicht hätten die Jedi sich doch an Yoda halten und das "neue" Jedi-Denken den wenigen überlassen sollen, die Vergeres Lehren wirklich verstehen. Jacen z.B..
- Jacen: Ja, er ist zurück! Nach 'Traitor' hatte ja ein minderwertiger Klon seinen Platz in der Galaxis eingenommen, aber das ist jetzt vorbei. Jacen ist der einzige, der es kapiert hat. Er ist in der Galaxis herumgereist und hat sich verschiedene Machtsekten angeschaut und deren Methoden auseinandergenommen, sich das herausgeklaubt, was ihm nützlich sein könnte, und den Rest als Humbug entlarvt. Die Sektenführer sind darüber verständlicherweise wenig begeistert, aber Jacen tut trotzdem das einzig richtige. Raynar wird sich noch wundern. Ich bin überzeugt, dass Jacen mit den Killiks genau das gleiche macht. Er wandelt außerdem gefährlich nahe an dem, was die alten Jedi die Dunkle Seite genannt hätten. Hoffentlich nimmt Denning nicht den massenkompatiblen und einfachen Weg, lässt Jacen zum Quasi-Sith werden und führt somit die alte Vorstellung von der Macht und vom Jedisein wieder ein.
- Ben: Ei, nasowas. Der kleine Knirps mag seinen Onkel viel lieber als seine Eltern und weigert sich, die Macht zu benutzen. Gute Entscheidung von Denning. Da steht uns noch einiges ins Haus. Zumal seine Mami sein Haustier umgebracht hat. Nur manchmal fand ich seine Dialoge zu erwachsen. Meistens hat Denning die Stimme eines Achtjährigen aber gut getroffen (besser als seinerzeit Anderson und McIntyre die Solos).
- Komm, Jacen, bleib noch eine Nacht: War der lektorielle Sex-Alarm kaputt oder einfach nur überlastet? 'The Joiner King' enthält so viele Anspielungen auf Kopuliersport, dass es schon nicht mehr lustig ist. Mal schauen, wie das überm Teich ankommt. Ich habe nicht gezählt, aber es würde mich nicht wundern, wenn das mehr waren als in allen anderen Romanen zusammen. Naja, wenigstens bleibt so offen, wer im Laufe der Trilogie Nachwuchs bekommt. Leia und Han könnten vielleicht noch, aber das glaube ich nicht. Luke und Mara? Nee, ein so ein Kind reicht ja wohl, werden die sich denken. Jacen und Tenel Ka vielleicht. Bedient natürlich schön das moralinsaure "Selbst eine Nacht kann dein Leben verändern"-Klischee. Am meisten gefallen würde mir ein kleiner Wonneproppen aus den Genen von Jaina und Zekk. Zwei Gründe: Erstens halte ich beide, vor allem Jaina, schon in normalem Zustand für elterlich total überfordert. Das schafft schon mal Konfliktpotential. Zweitens kann diese Beziehung niemals halten. Zekk würde vielleicht gern, aber Jaina scheint nichts für ihn zu empfinden. Die denkt ja immer noch an Wedges Neffen. Killik-Bewusstseinsteile zählt nicht, das löst sich ja doch irgendwann auf, spätestens, wenn Raynar stirbt. Da kann man auch eine Moral hineininterpretieren: Kinderlein, nehmt keine bewusstseinserweiternden Drogen und schließt euch keinen kollektivbewussten Insektenvölkern an, die seltsame Paarungstänze aufführen, das kann böse ins Auge gehen. Na also! Passt doch alles.
- Blaue Killiks: Das ist ja sehr günstig, dass die Dunklen Jedi so blöd sind, ihre "bösen" Killiks ausgerechnet anders anzumalen als alle anderen Käfer. Machtversteckspiel hin oder her, hätte man das nicht glaubwürdiger lösen können?
- Oh, und die Sache mit Mara: Mit einem faustgroßen Loch im Bauch darf man ruhig den Löffel abgeben, meine ich...
Es ist immer nur eine Frage der Zeit gewesen, bis - nach Anakin - der nächste beliebte EU-Charakter ins Gras beißt. Und warum sollte es nicht Mara treffen? Chewie hatte auch eine große Fangemeinde.
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Aber nein, die lebt ja immer noch! Klar, bei Luke und Han ist es genauso unrealistisch. Gerade bei Han, der hätte ja schon in tUF sterben müssen. Aber Mara verdient es viel mehr, schon allein, weil sie (die kleine Dienerin des Kaisers) mal wieder nicht als wesentlich schwächer als ihr Ehemann (der Enkelsohn der Macht, quasi) dargestellt wird. Pfui.
Naja, vielleicht wird die rothaarige Hexe im nächsten Band verbrannt :p...

Insgesamt: Ein Roman, der zumindest gut zu unterhalten weiß. Die Handlung ist nicht überragend kreativ, macht aber durchaus Lust auf mehr. Die Charaktere sind meist gut getroffen. Die "Welt nach der NJO" interesssant und voller Potential.
Für sich alleine reicht er an die Gesamt-NJO (trotz aller ihrer Schwächen, die im Rückblick stärker ins Auge fallen als damals "live") keinesfalls heran. Im Verbund mit den restlichen zwei Dritteln könnte 'Dark Nest' allerdings viel besser werden, als von mir erwartet.

(Juli 2005)

 

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