|
Rezension
The New Jedi Order 16: Force Heretic II: Refugee
Das Cover ist live praktisch genauso schlecht wie auf dem Computerbildschirm, und noch grausiger als das zum ersten Teil der Trilogie (na, immerhin hat die Szene hier was mit dem Buch zu tun). Aber, und es freut mich, das sagen zu können, das ist auch der einzige Punkt, bei dem ‘Refugee’ schlechter abschneidet als das ohnehin schon gute ‘Remnant’.
Die Charaktere sind, wie üblich, sehr gut getroffen (nur schien mir Han gleich am Anfang ein wenig aufbrausend, aber das hat sich wieder gelegt), auch die neuen (Malinza benimmt sich tatsächlich wie eine frühreife - und das ist hier nicht negativ gemeint - Fünfzehnjährige, weder wie ein kleines Kind noch wie eine erfahrene Erwachsene; ein Fehler, den andere Autoren der GFFA ja bereits angetan hatten, ich verweise da z.B. auf die Corellia-Trilogie oder den ‘Kristallstern’).
Die dreieinhalb Hauptplots aus dem ersten Band werden konsequent weitergeführt. Schade nur, dass Nom Anor so wenig ‘screentime’ hatte, dafür war aber auch jede Szene mit dem Propheten Dynamit und ein unglaublicher Genuss. Die Jedi als Engel von Yun-Yuuzhan? Yay .
Auch Tahiri wurde nicht viel Zeit gegeben, dafür haben ihre Auftritte es aber in sich. Es bestätigt sich, was ich vorher schon ein wenig vermutet hatte: Die Tahiri Veila vor ihrer Begegnung mit den Vong gibt es nicht mehr, und bis die Jedi nicht die Vong in ihr zu akzeptieren lernt (und umgekehrt), wird sie keinen Frieden haben. Diese Situation ist interessant; in SW gab es so etwas bisher nicht (wenn wir mal von Anakin/Vader absehen), in der Fantasy ist mir das aber bereits ein paar Mal begegnet; in den zwei markantesten Fällen blieben die Persönlichkeiten getrennt und eine am Ende dominant, aber für Tahiri würde mir eine Fusion sehr viel mehr behagen: Anakin ist tot, Jacens ‘Vong-Sense’ nicht so ausgefeilt wie seiner, und stellt euch vor, was ein Jedi/Vong-Hybrid bedeuten könnte... nicht nur im Kampf, sondern vor allem auch als Symbol ! Meine Hoffnungen dafür sind recht hoch, da es kein Zufall sein kann, dass die ursprüngliche Tahiri in ihren Träumen ohne Narben dargestellt wird, Riina mit sehr viel tieferen, als der Körper der beiden hat. Hoffentlich haben Keyes, Williams, Dix und Luceno sich gut miteinander abgesprochen...
Han und Leia auf Bakura habe ich nicht gerade entgegen gefiebert, und ich war nicht sonderlich begeistert von der Enthüllung, die Ssi-Ruuk würden in ‘Refugee’ eine Rolle spielen. Aber am Ende haben sich all meine Befürchtungen nicht bewahrheitet. Sicher, ‘Plot Bakura’ ist qualitativ trotz der Quantität mit den kurzen Yu’shaa- resp. Tahiri-Szenen nicht zu vergleichen, aber immer noch sehr spannend und interessant gemacht. Eine wunderbare Ironie auch, dass die P’w’eck am Ende genau das machen, was ihnen ihre Meister gesagt haben (und ich habe es nicht kommen sehen; verdammte Australier, ich bin ihnen doch wieder auf den Leim gegangen ). Haben der Minos-Cluster und Onadax eigentlich vorher schon eine Rolle gespielt, spontan kamen sie mir nicht bekannt vor? Die Verfolgung Jainas von Cundertol und die Konfrontation der beiden war doch mal ein anständiges ‘Duell’, obwohl letzterer entkommen konnte. Gut geschrieben, in-character, weder peinlich noch unglaubwürdig, trotz der Kürze. Die Verteidiger von WJW werden mich dafür jetzt wieder hassen, aber ich konnte nicht umhin, mir nach dieser Szene zu denken, Mr. Williams könnte sich von Mr Williams mal ein paar Scheibchen abschneiden . Nach der Erklärung des Ryn scheint das Informations-Netzwerk ja während der Invasion der Vong entstanden zu sein, aber natürlich schließt das nicht aus, dass sich daraus die ‘Bruderschaft’ der Whill entwickeln könnte. Genau gesagt werden wird es wohl nie, aber so ein kleiner Hinweis wäre ganz nett von LFL. Und ich hatte doch Recht, vor all dieser Zeit, als Elaine Cunninghams Roman noch ‘Dark Journies’ hieß und meine Spekulationen darüber sehr wild waren... Jaina kam zwar nicht zu den Ssi-Ruuk, sondern die zu ihr, und das ganze spielte sich auch etwas später ab, aber sonst ...
Anders als die Bakura-Mission, die sich erst warmlaufen musste und wo es erst im zweiten Teil so richtig losging, startete der Luke/Mara/Jacen-Plot mit viel Action und wurde dann immer ruhiger (bis auf den Schluss, den es aber nicht gebraucht hätte; nicht schlecht, aber imho ein wenig überflüssig, als brauche man unbedingt in jedem Subplot Action, um die Aufmerksamkeit des durchschnittlichen klischeehaften US-amerikanischen Teenagers aufrecht zu erhalten). Insgesamt der schlechteste des Buchs, aber natürlich nur vergleichsweise; eine sehr lange Einleitung für die kommenden ‘Abenteuer auf Zonama Sekot’. Es war nett, Csilla endlich mal beschrieben zu haben, und die Chiss waren ‘spot-on’. Es hat mich gefreut, Soontir Fel wieder zu sehen, und auch mal einen anderen Teil seiner Familie kennenzulernen (Syal fand ich jetzt nicht so interessant, aber Wyn ist schon ein Früchtchen ). Und was ich auch noch ganz lustig finde: Das Autoren-Team hat Zahn einigen Freiraum geraubt, was er sich in seinem kommenden Roman ‘Survivor’s Quest’ so leisten kann. Ich muss mir spontan - unter Annahme verschiedener rein spekulativer Fakten - das Gesicht vorstellen, das EU-Gott Zahn machen wird, wenn er feststellt, dass sein ursprünglicher Entwurf von SQ nicht ratifiziert wird ...
So. Um zum Abschluss zu kommen, ‘Force Heretic’ ist anders als die bisherige NJO. Ein ganz klein wenig erinnert die Trilogie an bessere Bantam-Romane, die einfach nur ‘fun’ waren, jedoch mit einem sehr viel düsteren ‘Feel’. Damit, dass die Hauptcharaktere durch die Galaxis streifen und einer mit dem Hauptthema wenig zu tun habenden Mission folgen, hat die Ähnlichkeit sich dann auch schon, aber es ist doch ein definitiver Schnitt da; ganz ohne Zweifel ist FH im Ton etwas leichter als, sagen wir, ‘Star By Star’ oder ‘Traitor’ (DW lasse ich hier mal raus, denn das war ja in so mancher Beziehung ein ‘Stummbuch’) und dient nicht direkt ‘dem Größeren’, sprich dem Krieg. Das ist aber auch durchaus verständlich; beide Parteien müssen erst einmal Kräfte sammeln, eine temporäre Waffenruhe herrscht. Das wird sich jedoch sicherlich bald wieder ändern (in den letzten ‘Kapiteln’ von ‘Reunion’, wenn ich raten müsste), und ich bin ganz froh über diese ‘Auszeit’ (wie mir auch die Han/Leia-Einzelmissionen in ‘Enemy Lines’ gefallen haben).
Eines fand ich allerdings schade; einen richtigen politischen Handlungsfaden gibt es nicht. Sicher, in drei der vier Fälle spielt sie mit hinein, aber ein richtiger Plot à la CoD oder DW fehlt mir. Irgendwie graust mir vor dem Gedanken, dass DW der einzige Roman der NJO sein könnte, in dem Politik eine größere Rolle spielt...
Aber da es in diesem Review ja um ‘Das Erbe der Jedi-Ritter 16: Ketzer der Macht II: Flüchtling’ gehen soll und nicht um ‘Das Erbe der Jedi-Ritter 14: Die Renaissance der Charakterkatastrophen: Der Pfad des Schicksals’, hier die neue Listung: - 13: Traitor - 08: Rebirth - 07: Conquest - 16: Refugee - 03: Ruin - 15: Remnant - 11: Rebel Dream - 14: Destiny’s Way - 09: Star By Star - 12: Rebel Stand - 02: Onslaught - 01: Vector Prime - 04: Hero’s Trial - 05: Jedi Eclipse - 10: Dark Journey - 06: Balance Point
(Mai 2003)
|