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Rezension
The Evergence Trilogy
*Vorspann (kaum Story-Spoiler, nur Hintergrund)* Die Zukunft: Die menschliche Rasse hat sich die Galaxis zu eigen gemacht. Kontakt mit Außerirdischen gab es nicht, also geht man davon aus, dass der Mensch die einzige vernunftbegabte Spezies im All ist. So lange ist es her, dass ‘homo sapiens’ den Weltraum erobert hat, dass der ursprüngliche Heimatplanet längst in Vergessenheit geraten ist; die ältesten Artefakte, die man kennt, sind über 500.000 Jahre alt und stammen erwiesenermaßen nicht von diesem Ursprungsplaneten. Und der Mensch ist auch nicht mehr das, was er mal war. Mutationen und ähnliches haben dafür gesorgt, dass die Menschen nun in drei Klassen eingeteilt werden können: Low Humans (Untermenschen; Menschen, die sich zurückentwickelt haben), Mundane Humans (‘gemeine’ Menschen; ich komme noch darauf zurück) und High Humans (Hochmenschen; Wesen, die üblicherweise unabhängig sind von einem Körper und ihren Geist in Maschinen geladen haben, um sich noch weiter entwickeln zu können; ihr Intellekt ist dem eines ‘Normalmenschen’ so überlegen wie der eines Menschen dem einer Ameise; doch wie dem Mensch das Schicksal der Ameise egal ist, kümmern die Hochmenschen sich lieber um ihren eigenen Kram und beachten die Normalmenschen nicht). Bei den Gemeinen Menschen gibt es noch mal zwei Untergruppen: Pristine (die Art Mensch, die unserem am nächsten kommt) und Exotic (mutierte Spezies). Hochmenschen, Untermenschen und Exoten kann man wieder in Kasten einteilen, aber das würde jetzt zu weit führen. */Vorspann*
Eigentlich hatte ich vor, hier vor dem eigentlichen Review eine Zusammenfassung des Plots der drei Bücher zu schreiben. Die für die ersten beiden Bände waren tatsächlich schon geschrieben. Ich habe sie gelöscht. Warum? Der dritte Band ist unmöglich zusammenzufassen, ohne sehr genau ins Detail zu gehen, was erstens den Rahmen hier sprengen würde und zweitens unfair denen gegenüber ist, die an der Reihe interessiert sind und die Spoiler-Guckerei nicht lassen können, denen ich dadurch aber die Überaschung vermiesen würde. Und es gibt Überraschungen. Die Autoren waren sehr geschickt darin, bis zum großen Finale immer wieder kleine Fetzen der Wahrheit vor den Leser zu streuen, teilweise so offensichtlich, dass es schon auffällig war. Es kam relativ oft vor, dass ich einige Seiten vor der Erklärung diese schon erschlossen hatte, und pries innerlich meine Kombinationsgabe. Was ich nicht ahnen konnte, war natürlich, dass die Autoren diese Stellen absichtlich so offensichtlich gemacht hatten, um von anderen kleinen Details abzulenken. Effektiv war diese Methode zweifelsohne; wer das Endergebnis kennt, wird auf dem Weg zum Schluss keine Probleme haben, durch die ab und zu auftauchenden Hinweise die Wahrheit zu sehen. So aber kam der Schluss völlig überraschend. Ich freue mich, dass diese beiden Australier für die NJO verpflichtet wurden und habe große Hoffnungen die kommende ‘Force Heretic’-Trilogie. Habe ich bereits irgendetwas aussagekräftiges gesagt? Schwer, ohne gewisse Informationen preiszugeben. Dennoch will ich es versuchen: Die Welt, die Williams und Dix erschaffen haben, ist ohne Zweifel interessant und in sich und auch im Bezug auf unsere heute Welt durchaus logisch, etwas, das bei ‘Space Opera’ ja nicht notwendigerweise der Fall sein muss. Eindeutig ist aber trotzdem, dass die Evergence-Trilogie primär der Unterhaltung dient; es gibt gewisse ‘Strömungen’ in den Romanen, die etwas tiefer gehen (am offensichtlichsten ist das beim Epilog des dritten Bandes), aber obenauf liegt die Unterhaltung. Was den reinen Unterhaltungswert der Bücher ja nicht mindert, im Gegenteil, logischerweise . Die Charaktere sind glaubwürdig, und zwar ausnahmslos alle (zumindest die, in deren Gedanken oder Ziele man Einsicht bekommt), und man kann mit ihnen mitfühlen (insbesondere meine ich damit natürlich Morgan Roche, aber nicht ausschließlich). Es gibt durchaus einige Dinge, die mir nicht so gefallen haben und die teilweise etwas unglaubwürdig sind (markieren-> dass die Ana Vereine für einen Prototyp erstaunlich schwach ist, z.B. <-markieren), aber größtenteils ist ‘Evergence’ eines der besten Werke, die ich in letzter Zeit gelesen habe, und was meine SF-Rangliste angeht, stößt es ‘Ringworld’ vom Thron, ziemlich leicht sogar. Mein Fazit: Es würde mich nicht wundern, wäre ‘Evergence’ in einigen Jahren ein Klassiker. Das Potential dazu hat die Trilogie, mehr als einiges andere, das ich gelesen habe und das diesen Titel nicht wirklich verdient. Jeder, der ein Interesse an sogenannter ‘Soft’ Science-Fiction hat, sollte sie imho gelesen haben, und für jene, die vorher gar keine SF gelesen haben und daran auch nicht interessiert waren, ist die Reihe ein guter Anfangspunkt, des geringen Techno-Babbels wegen.
(September 2002)
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